Wenn aus Sonne Finsternis wird

Ein weites Feld bei Heidelberg. Es ist Sommer, um die Mittagszeit. Tausende Menschen haben sich im Nirgendwo auf einem Acker versammelt und starren in den Himmel, als es plötzlich dunkel wird, so dunkel, dass die Sterne zu sehen sind, die Vögel ihr Gezwitscher einstellen und vollkommene Stille herrscht. Wo eben noch die Sonne hoch am Himmel stand, ist das Firmament finster. Wo eben noch die Sonne hell leuchtete, hängt nur eine pechschwarze Scheibe am Himmel. Aber nur einige Sekunden, dann wird es wieder hell. Die Menge jubelt. Was ist geschehen? Es ist der 11. August 1999 - und über Deutschland spielt sich die letzte Totale Sonnenfinsternis des 20. Jahrhunderts ab. Logenplätze haben dabei vor allem die Menschen in Süddeutschland, denn dichte Wolken über Norddeutschland verstellen dort vielerorts den Blick auf dieses Sternen-Spektakel.

Ein seltenes Phänomen ist eine Sonnenfinsternis allerdings nicht. In jedem Jahr ereignet sich eine, es sind sogar bis zu fünf möglich. Nur lassen sie sich eben lediglich an bestimmten Stellen der Erde beobachten. Eine teilweise Sonnenfinsternis war aktuell am 4. Januar 2011 morgens über Deutschlands Winterhimmel zu sehen. Die nächste spielt sich am 20. März 2015 über unseren Köpfen ab, zumindest in Nordeuropa wird es 2018 wieder teilweise dunkel. Bis zum nächsten großen Event müssen wir aber deutlich länger warten: Erst im Jahr 2081 wird das Spektakel der Totalen Sonnenfinsternis auch in Deutschland wieder zu sehen sein.

Aber was genau geschieht dabei? Auf seiner Umlaufbahn zieht der Mond zwischen Erde und Sonne vorbei. Und wenn die Position der drei Himmelskörper und die Entfernung zur Sonne stimmen, entsteht ein verblüffender optischer Effekt: Der Mond scheint genauso groß wie unser Zentralgestirn zu sein und verdeckt dieses vollständig. Es kommt zur Totalen Sonnenfinsternis. Rund um den Kernschatten des Mondes ist plötzlich sogar die Sonnenkorona sichtbar und brennt wie ein Feuerring. Zwar etwas weniger beeindruckend, dafür umso häufiger tritt die teilweise Finsternis ein, bei der eben nur ein Teil der Sonne hinter dem Mond verschwindet.

Während in früheren Zeiten eine Sonnenfinsternis die Menschen verängstigte, hat sich dank des Wissens um die astronomischen Zusammenhänge das Bild gewandelt: Seit 1999 hat die Sonnenfinsternis Kultstatus. In Deutschland wurde sie sogar liebevoll „So-Fi” genannt und löste ein regelrechtes Fieber aus. Enorm war der Run auf die speziellen Brillen, mit denen sich unbeschadet in die sich verdunkelnde Sonne blicken ließ. Die Hersteller schoben Überschichten, den Optikern wurden die Brillen aus den Händen gerissen. Es gab sogar einen So-Fi-Tourismus: Wegen der Vorhersage einer dichten Wolkendecke über Norddeutschland reisten viele Menschen in den Süden der Republik. Sie wollten genau sehen, wie der Tag plötzlich zur Nacht wird. Kein Wunder, denn bis zur nächsten Totalen Finsternis bei uns in Mitteleuropa in 2081 ist es ja noch lange hin.